Text-Knoff-Hoff › KI und Texte
Wie schreibe ich Texte, die nicht nach KI klingen?
Kurz gesagtEin besserer Prompt allein reicht nicht, damit KI-Texte nach dir klingen. Die KI braucht Material, das von dir kommt: echte Kundensprache, konkrete Details und Beispiele, deine Haltung und deine Art, Dinge zu erklären. Und du brauchst die Bereitschaft, den ersten Output auch mal wieder auseinanderzunehmen.
Denn selbst mit einem ziemlich guten Prompt kann am Ende so etwas herauskommen:
In der heutigen schnelllebigen Welt ist es wichtiger denn je, authentisch sichtbar zu sein. Doch was bedeutet das konkret? Genau hier kommt Storytelling ins Spiel. Es geht nicht darum, einfach nur Geschichten zu erzählen. Es geht darum, echte Verbindungen zu schaffen.
Grmpf.
Auf den ersten Blick wirkt der Absatz völlig okay. Grammatikalisch ist alles sauber und irgendwie scheinen die Gedanken zusammenzupassen.
Wenn du genauer hinschaust, wird es dünn.
Was bedeutet „authentisch sichtbar“? Was sind „echte Verbindungen“? Und warum folgt aus dem einen plötzlich Storytelling?
Der Absatz klingt nach Erklärung, ohne besonders viel zu erklären.
KI-Sprache besteht nicht nur aus verdächtigen Wörtern
Natürlich gibt es Formulierungen, die ChatGPT mit einer Begeisterung benutzt, als gäbe es dafür Bonuspunkte:
„Und genau hier kommt X ins Spiel.“
„Genau dafür gibt es …“
„Doch was bedeutet das konkret?“
„Nicht weil X, sondern weil Y.“
„Mehrwert schaffen“
„auf das nächste Level bringen“
„den Unterschied machen“
Ich habe dafür inzwischen eine kleine innere Alarmanlage.
Nur löst eine Blacklist das Problem nicht. Du kannst ChatGPT 25 Formulierungen verbieten und trotzdem einen Text bekommen, bei dem man den KI-Geruch drei Tabs weiter noch wahrnimmt.
Streich alle 25 Formulierungen, und du hast einen Text ohne Floskeln. Nach dir klingt er deshalb noch lange nicht. Was fehlt, ist deine Perspektive, die Details, die du auswählst, dein Rhythmus, deine Haltung und die Art, wie du einen Gedanken entwickelst.
Und dafür muss die KI erst einmal etwas über dich wissen.
Was du der KI nicht gibst, muss sie irgendwie auffüllen
Nehmen wir ein ziemlich dürftiges Briefing:
Schreib mir einen Instagram-Post für mein Coaching. Meine Zielgruppe sind selbstständige Frauen. Ich helfe ihnen, sichtbarer zu werden. Schreib emotional, authentisch und locker.
Damit weiß die KI noch ziemlich wenig.
Sie kennt die konkreten Situationen deiner Kunden nicht. Sie kennt ihre Formulierungen nicht, weiß nicht, was du in Kundengesprächen immer wieder hörst, und hat keine Ahnung, welche Erfahrungen du mit dem Thema gemacht hast oder wo du eine andere Meinung vertrittst als der Rest deiner Branche.
Mit „emotional“, „authentisch“ und „locker“ kann sie arbeiten. Nur geben diese Wörter kaum vor, was sie eigentlich schreiben soll.
Viel hilfreicher sind deshalb Informationen wie:
- Was will dein Kunde gerade konkret erreichen?
- Woran scheitert er?
- Wie beschreibt er das selbst?
- Welche Situationen erlebt er im Alltag?
- Was steckt hinter dem offensichtlichen Problem?
- Wie hilft dein Angebot dabei?
- Welche Erfahrungen, Beispiele oder Beobachtungen hast du dazu?
Je echter dein Ausgangsmaterial ist, desto weniger muss die KI die Lücken mit dem füllen, was sprachlich irgendwie naheliegt.
Kundensprache ist besser als Zielgruppen-Sprech
Kundengespräche, Mails, Kommentare, DMs, Fragebögen und Sprachnachrichten sind deshalb ziemlich wertvoll fürs Schreiben mit KI.
Denn Menschen reden untereinander anders als in Zielgruppenbeschreibungen.
Wenn du gerade keine echten Formulierungen gesammelt hast, hilft eine Übung, die ich auch in meinem Ent-KI-isierer nutze: Stell dir vor, dein Wunschkunde schickt seiner besten Freundin um 21:46 Uhr eine Sprachnachricht über sein Problem.
Was würde er wirklich erzählen?
Welche Situation würde er beschreiben? Worüber würde er sich aufregen? Was würde er vermutlich niemals „Herausforderung“ nennen, obwohl es in deinem Zielgruppen-Dokument genau so steht?
Die Übung ersetzt keine echten Kundengespräche. Sie zwingt dich aber dazu, ein Stück näher an Alltagssprache und konkrete Situationen heranzugehen.
Und genau das hilft auch der KI.
„Viele Selbstständige haben Schwierigkeiten, regelmäßig Content zu erstellen“ gibt ihr kaum ein Bild.
Eine echte Situation, ein Satz aus einer Kundenmail oder ein konkretes Beispiel schon.
Wichtig ist nur: Wenn du diese Details nicht kennst, lass die KI sie nicht als angebliche Kundenrealität erfinden. Dann frag lieber nach oder bleib bei dem, was du tatsächlich weißt.
Die KI braucht auch deine Meinung
Das wird beim Briefing gern vergessen.
Du kannst eine KI hervorragend über Zielgruppe, Angebot und Tonalität informieren und am Ende trotzdem einen Text bekommen, der austauschbar wirkt. Denn ein guter Text transportiert meistens auch einen Gedanken.
Was hast du durch deine Arbeit über das Thema gelernt? Welche Empfehlung gibst du anders als andere? Welche Regel hältst du für überschätzt? Wo sagst du deinen Kunden regelmäßig: „Lass das mal lieber“?
Ich hätte diesen Artikel auch nach der Liste oben beenden können. Nur bringt eine Blacklist der KI nicht bei, wie du denkst.
Wenn du eine klare Meinung hast, gib sie ihr. Wenn du ein Beispiel aus deiner Arbeit hast, gib ihr das auch. Je mehr relevantes eigenes Material im Briefing steckt, desto weniger muss die KI deine Perspektive erraten.
Wie du solches Material sammelst, bevor du es brauchst, erkläre ich hier: Was ist Story-Mining?
„Schreib wie ich“ kann ziemlich schiefgehen
Vielleicht hast du der KI bereits alte Newsletter, Website-Texte oder Social Posts gegeben. Das ist grundsätzlich hilfreich.
Nur sollte sie daraus keine Verkleidung basteln.
Wenn in deinen Beispieltexten dreimal Freibad-Pommes vorkommen, muss die KI nicht plötzlich jedes Angebot in eine rot-weiße Pappschale packen. Wenn du gern trocken formulierst, braucht nicht jeder Absatz eine Pointe. Und eine auffällige Formulierung wird nicht dadurch zu deinem Stil, dass die KI sie alle 600 Wörter wieder aus dem Schrank holt.
Deine Beispieltexte sind interessanter als Quelle für Fragen wie:
- Wie entwickelst du Gedanken?
- Welche Details wählst du aus?
- Wie lang sind deine Sätze und Absätze?
- Wie direkt sprichst du Leser an?
- Wo machst du einen Witz – und wo lässt du einen Gedanken einfach stehen?
Das ist wesentlich ergiebiger als ein kleines Ersatzteillager aus Lieblingswörtern und Metaphern.
Manchmal verrät der Rhythmus die KI
Ein KI-Text kann komplett frei von den üblichen Floskeln sein und trotzdem so klingen:
Du hast eine Idee.
Eine gute sogar.
Du willst loslegen.
Doch dann?
Nichts.
Dein Kopf ist leer.
Kurze Sätze sind nicht das Problem. Ich benutze sie selbst.
Anstrengend wird es, wenn ein ganzer Text aus solchen künstlich dramatisierten Häppchen besteht. Dann liest er sich irgendwann wie ein Telegramm mit Conversion-Ziel.
Gute Texte wechseln ihren Rhythmus. Ein kurzer Satz kann etwas betonen. Danach darf ein Gedanke aber auch mal zwei oder drei Sätze lang fließen, ohne dass nach jedem Halbsatz jemand auf die Enter-Taste haut.
Lies deinen KI-Text einmal laut. Viele Rhythmusprobleme hörst du schneller, als du sie auf dem Bildschirm siehst.
Der erste Output muss noch nicht fertig sein
Beim Schreiben mit KI hält sich hartnäckig die Idee, man müsse nur den perfekten Prompt finden und bekäme anschließend einen druckreifen Text serviert.
Dabei schreibt auch ein guter menschlicher Texter nicht zwingend beim ersten Versuch die endgültige Version hin und geht anschließend zufrieden Eis essen.
Ich halte mehr davon, die erste Ausgabe als Arbeitsmaterial zu betrachten.
Schau dir an, was die KI daraus gemacht hat. Wo trifft sie deinen Gedanken? Wo wird sie allgemein? Wo fehlt ein Beispiel? Wo klingt etwas zwar hübsch, bedeutet aber erstaunlich wenig? Hat sie Zusammenhänge hergestellt, die gar nicht stimmen? Hat sie Details ergänzt, die du nie geliefert hast?
Und dann arbeite mit ihr weiter.
Wenn ein Absatz zu allgemein ist, kannst du zum Beispiel schreiben:
Dieser Absatz ist mir zu allgemein. Erfinde bitte keine Beispiele. Sag mir, welche konkreten Informationen dir von mir fehlen, damit du ihn spezifischer schreiben kannst.
Das zwingt dich übrigens manchmal selbst dazu, genauer nachzudenken.
Kann lästig sein.
Hilft aber.
Mein Fahrplan in sechs Schritten
Wenn du mit KI schreibst und der fertige Text trotzdem nach dir klingen soll, helfen dir diese sechs Schritte:
Manchmal sitzt ein KI-Satz sofort. Dann lass ihn stehen. An anderen Stellen wirst du drei Absätze löschen, einen komplett neu schreiben oder der KI noch einmal neues Material geben.
Wie viel du am Ende verändert hast, ist ziemlich egal.
Wichtig ist, dass du entscheidest, was veröffentlicht wird – und warum.
Passt dazu
Mehr davon? Dann ab in die Pommespost.
Dort schreibe ich über Storytelling, Verkaufspsychologie und die Frage, warum Menschen auf manche Texte anspringen und andere gepflegt ignorieren. Meistens mit einem Schwank aus meinem Leben vorneweg.
